Es ist zu erwarten, dass die Vorhersagen zur Steigerung des Internet-Verkehrs von Cisco zutreffen werden:
- in den nächsten fünf Jahren drei Milliarden neue mobile Breitbandnutzer
- im Jahr 2020 mit 50 Milliarden verbundenen Geräten
- bis 2015 Versechsfachung der Anzahl der Nutzer von mobilen PCs
Die Konsequenzen dieses Wachstums sind aber nicht nur technischer Natur:
- Mit Wachstum neuer Benutzer wächst die Erstellung und das Angebot neuer Informationen überproportional.
- Der “Overload” und Kontrollverlust wird größer, die Abhängigkeiten von der Aufmerksamkeitszuwendung stärker.
- Der Ruf nach besseren Filtern, den Overload zu beherrschen, wird lauter.
- Ebenso dringend: ein besserer Schutz für Privatsphäre und Personendaten
Die Dringlichkeit wird noch deutlicher, wenn Mobilgerätehersteller und Softwareanbieter die nächste Innovationsstufe des mobilen Internet ankündigen:
Die “Vernetzung der Dinge” oder “Internet of Things”
Völlig neue Dienste, Annehmlichkeiten, Anforderungen und Herausforderungen sind zu erwarten, wenn in Mobilgeräten RFID-Chips und Sensoren zum Leben erwachen.
Noch funktioniert die Öffnung der Hoteltür konventionell per Handy, aber der erste Mensch, der sich per RFID-Chip einen Virus in die Hand pflanzt, lässt die Gefährlichkeit dieser Technik erkennen.
Die Liste neuer RFID-Anwendungen wächst ständig.
Sensoren haben längst Einzug genommen in unsere Mobiltelefone. GPS-Sensoren, Kamerasensor, Bewegungssensor oder Umgebungslichtsensor sind bereits Standard in Smartphones der neuen Generation.
Aber die echte Revolution wird bereits in Unternehmen wie Google oder Hewlett Packard vorbereitet. Google VP Marissa Mayer spricht von “data explosion is bigger than Moore’s law.” und “Sensoren, schaffen eine neue Art von Daten”.
Bei einem Gespräch von ReadWriteWeb Mitarbeiter Richard MacManus im Hewlett Packard Labs stellt Parthasarathy Ranganathan eine komplette Liste von Sensoren vor, die über “verschiedene Dimensionen per Sensor” verfügen und demnächst in Smartphones integriert werden (Auswahl):
- Vibration
- Air flow
- Temperature
- Biological
- Chemical
- Humidity
- Pressure
Ranganathan führt aus, die Sensoren produzieren jede Sekunde Daten in Realtime für Anwendungen wie Shopping, Militär, Verkehr und verschiedenen anderen Industrien.
Doch keine Anwendung ist so kritisch in Bezug auf Overload und Datenschutz wie medizinische Apps oder “mhealth”:
“Die Zukunft von eHealth heißt mHealth“, verkündet Dr. S. Yunkap Kwankam, der Vorsitzende des eHealth-Departments der Weltgesundheitsorganisation WHO.
mHealth heißt „mobile health“ und bedeutet nichts anderes, als dass all diese Prozesse mobil ablaufen: Das Mobiltelefon wird zum Patiententerminal.
Was heute an medizinischen Simulationspuppen in Anästhesie und Intensivmedizin von Krankenhäusern geübt wird, kann schon morgen als App für das iPhone oder Android auf den Markt kommen.
“Insgesamt ist der Gesundheitsbereich aus vielfältigen Gründen gewiss das schwierigste Umfeld für die Einführung von Ubiquitärem Computing.” schreibt Michael Friedewald unter der Überschrift “Ubiquitäres Computing” für das Karlsruher Institut für Technologie.
“So sind medizinische Daten die sensibelsten personenbezogenen Daten und erfordern daher entsprechende Vorkehrungen zum Datenschutz, wie abgestufte Zugangsverfahren, die Vermeidung neuer transitorischer Datenzugriffe oder unerwünschte Sekundärnutzungen.”
Das jedoch wird amerikanische Innovatoren nicht daran hindern, medizinisch orientierte Apps auf den Markt zu bringen, die zusätzlich Personendaten einsammeln, um die richtige Werbung beim richtigen Patienten platzieren zu können.
Die Notwendigkeit neuer Datenschutzvorkehrungen liegen auf der Hand.
Die aktuelle engagierte Diskussion mit Google oder Facebook steht noch am Anfang und muss mit aller Konsequenz fortgeführt werden, um auf die zu erwartende Explosion von Personendaten vorbereitet zu sein.
Anders als in “Version 1984″, in der der Orwell-Staat alles sieht, geht es jetzt darum zu verhindern, dass bestimmten Unternehmen ermöglicht wird, uns Menschen mit unseren eigenen Daten zu manipulieren oder von unseren eigenen Daten ohne unser Wissen zu profitieren.