Es kristallisiert sich jetzt deutlicher heraus, mit welchen Schwierigkeiten Zeitungs- und Zeitschriftenverleger mit Einführung des iPad zu rechnen haben.
Das Ergebnis einer Studie, veröffentlicht auf der derzeit stattfindenden E-Reader Symposium der Digital Publishing Alliance, veranstaltet vom Reynolds Journalism Institute der Universität von Missouri, Columbia, Missouri, nennt schonungslos zu erwartende negative Veränderungen und worauf Verleger achten sollten:
Die Ausführungen sind sicherlich eine Ernüchterung nach dem Hype der Apple-Ankündigung. Die Experten urteilen, das iPad wird unerwartete Veränderungen bei der Nutzung digitaler Inhalte auslösen.
- iPad wird mobiles Einkaufen stimulieren und den Trend heftig verstärken
- iPad wird das Direkt Mail Geschäft empfindlich reduzieren
- iPad wird das Beilagengeschäft der Zeitungen und Zeitschriften verringern
Die Studien empfiehlt Verlegern auf folgende Entwicklung zu achten:
- Mehr als 70 Prozent der Erwachsenen werden mobile Geräte benutzen
- Alle Arten von Medienkonsum wechseln zunehmend auf Mobilgeräte über
- Werbebudgets werden von Zeitungen, Zeitschriften und Direkt Mail zunehmend auf Mobilplattformen übertragen
- Konsumenten reagieren stark positiv auf mobile Werbebotschaften
- Der Geist ist aus der Flasche und lässt sich nicht wieder einfangen
Die Empfehlungen der Experten lesen sich wenig hoffnungsvoll:
- Nach zwei Dekaden falscher Einschätzung der Verleger bezüglich digitaler Veränderungen, jetzt das mobile Internet und iPad ernst nehmen und einbeziehen.
- Inhalte neu erfinden für iPad und mobiles Internet
- Journalisten anregen neue “Streams” und Inhalte zu entwickeln
- Mit Apple und Werbetreibenden zusammenarbeiten, um neue Wege der Personalisierung für Inhalt und Werbung sowie Interaktion mit Kunden zu entwickeln
Die generelle Message: Es ist Zeit zum Umdenken, Gangwechseln und Gasgeben.
Bereits in einer früheren Empfehlung im Februar kamen die Akademiker der Harvard Universität zur Auffassung, dass das iPad zerstörende Wirkung für Verleger mit sich bringen wird.
Keshoo Bewertung: Deutsche Verleger haben es doppelt schwer, weil sie mit wenig technologischer Unterstützung aus dem eigenen Land rechnen können.
Konsumenten dagegen reagieren schnell und begeistert auf die aus USA importierten Geräte wie iPhone und iPad oder Social Media Dienste wie Facebook.
Mögliche Lösungen liegen in:
- der Entwicklung neuer Servicedienstleistungen wie digitales Shopping, Coupons/Gutscheine
- der Entwicklung neuer Serviceleistungen, die lokalen Nutzen bringen wie Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele usw
- offenen Diskussionen und Gruppenbildung mit (noch verbliebenen) Lesern ALLER Printmedien, um Facebook-ähnliche Social-Funktionen anzubieten
- der Entwicklung von Tools, die digitale Content-Streams ALLER Medien zum Benutzer liefern
- Entwicklung neuer Werbetechnologien für Mobilgeräte und Content-Streams
Es erscheint mir dringend notwendig, dass Verleger den gemeinsamen Schulterschluss praktizieren und gleichzeitig die besten Kreativköpfe der deutschen Internet-Szene beauftragen, um miteinander neue Lösungen für “Content und Werbung” mit Social Media und mobilen Technologien auszuarbeiten.
Comments
Leave a comment Trackback