Gestern ist die beste bisher im Netz erschienene Analyse von der Street View Diskussion um Google aufgetaucht. Autor Christoph Kappes zerlegt die Problematik sauber und ziemlich neutral auf seinem Blog Fruchtmark oder Fructus. (Als Internet Agentur auch verständlich)
Aus meiner Sicht sind jedoch die wirtschaftlichen Aspekte mit ihren Auswirkungen auf gezielte lokale Werbung mit möglichen Personenkontrollen zu kurz gekommen. Deswegen mein Kommentar auf seiner Seite hier für meine Leser:
Ihre Analyse gefällt mir, weil die unterschiedlichen Probleme deutlich zur Sprache kommen.Meist sind sie rechtlicher Natur, was außerhalb meiner Expertise liegt, aber derzeit in politischen Kreisen bereits in die Hand genommen werden.Ablichtung und Katalogisierung eines gesamten Landes
Für mich kommt ihre Darstellung der materiellen und wirtschaftlichen Frage zu kurz. Wem die Daten gehören ist sicher ein wichtiger Aspekt, der zur Entscheidung ansteht, das es nicht nur um die Ablichtung eines Straßenzugs sondern – was Google vorhat – um die Ablichtung und Katalogisierung eines gesamten Landes geht, mit anschließender Auswertung in ALLEN nur denkbaren Möglichkeiten.Googles Ziel: das lokale Werbegeschäft dominieren
Googles Strategie beinhaltet (nach der Bilderfassung) die Katalogisierung und Vermarktung von lokalen Geschäftsangeboten in Verbindung mit Adressierung von ortsbefindlichen Personen, um letztendlich das lokale Werbegeschäft zu dominieren.
- Stellen Sie sich nur vor, wenn es Google gelingen sollte ein Monopol für die lokale Werbung aufzubauen, wie viele Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen können!
- Stellen Sie sich vor, welche Mehrbeträge ein Ladenbesitzer für seine Werbung aufbringen muss, wenn es nur eine Gesellschaft gibt, die seine Werbung in den Markt bringen kann!
- Stellen Sie sich vor, wie Handy-Benutzer reagieren, wenn sie mit Anzeigen von nur einem Werbegiganten auf ihrem Handy behämmert werden, der sie Schritt auf Schritt per GPS verfolgt!
- Stellen Sie sich vor, dass Google heute schon weiß – per GPS Geolocation, ist jetzt eingebaut in alle Handys – wer wo wohnt oder wo arbeitet.
- Stellen Sie sich vor, was die Verlinkung der Aufenthaltsdaten von Personen mit den Bildern von Street View ermöglicht! Es kann die totale Kontrolle bedeuten!
George Orwell fürchtete “nur” den totalitären Staat. Jetzt müssen wir verhindern, dass ein “totalitäres” Unternehmen unseren Lebensraum unsere Freiheit einschränkt, indem unsere Daten genutzt und weiterverkauft werden.Reichen nicht schon die Einheitsspeisen- und getränke von McDonalds, Coca Cola, Subway oder Starbucks, die unserer Welt die individuelle Note nimmt und uns mit immer mehr Fehler und Gefahren aus den Konzernen belästigt?Ich weiß nicht, wie man dem Google-Problem am besten beikommt.Ob Google Lizenzgebühren zahlen soll für Nutzung der Katalogisierung eines Landes, einer Stadt einer Gemeinde.
- Oder ob die Kartellbehörden neue Ufer erklimmen müssen.
- Oder ob Bürger ihre Forderungen und Sorgen lauter und deutlicher aussprechen müssen.
- Oder ob Politiker neue Gesetze zur Datennutzung erfinden müssen.
- Oder ob Bürgerinitiativen auf Gefahren für Mensch und Unternehmen aufmerksam machen sollten.
Ich weiß nur, der Dialog muss geführt werden. Noch mehr Menschen müssen sich dafür einsetzen, dass Google Privat- und Unternehmenswerte in großem Stil nicht ohne Nutzungsregelung katalogisieren und vermarkten darf.Da ich seit vielen Jahren in USA lebe und fast täglich mit Missbrauch meiner Personendaten konfrontiert werde – was hier völlig legal ist – kann ich nur eindringlich warnen.Kein totalitäres Überwachungssystem
Einem amerikanischen Unternehmen Informations-Hoheit für die Katalogisierung aller Gebäude, Geschäfte – wer darin lebt oder arbeitet – zuzugestehen, bedeutet dass der Bürger nie mehr Einfluss darauf haben wird, wohin seine Daten fließen und für welche Zwecke sie benutzt werden.Nein, wir dürfen kein totalitäres Überwachungssystem eines Unternehmens zulassen. Auch wenn heute von Google beteuert wird, das System nicht zu missbrauchen.Mit den besten Hoffnungen, dass deutsche Bürger sich dafür einsetzen und den besten Grüßen aus California.
Comments
Leave a comment Trackback